
Totaldemokratie ©Herman Beun (cc:by-nc-nd)
Mitunter sollte man einigen Behauptungen schnell entgegen treten, bevor sie sich verselbständigen. Daher werde ich mal kurz die eine oder andere Zeile zum vermeintlichen Trennungsgrund der BfL schreiben. Wie auf HL-Live und LN-Online berichtet, haben die “Bürger für Lübeck” (BfL) sich dazu entschlossen, nun doch keine nähere Zusammenarbeit mit der SPD anzustreben. Konkret heißt es im Artikel der LN:
“Grund der Trennung: ‘Die Zusammenarbeit ist nicht mehr zielführend’, erklärt BfL-Chef Raimund Mildner. Insbesondere die ‘taktischen Verhaltensweise der SPD-Mitglieder’ seien zu weit vom Politikstil der BfL entfernt. Ihn ärgert, dass erzielte Einigungen von der SPD ‘rückwärts wieder einkassiert’ werden – wie jüngst im Wirtschaftsausschuss. Dort war eine Fülle von BfL-Anträgen vertagt worden, nachdem sie schon in der Bürgerschaft nicht behandelt wurden. ‘Es ist eine Stilfrage, wie man miteinander umgeht.’”
Da ich sowohl in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses als auch in der Vorbesprechung war, kann ich dazu nur sagen, dass das von Mildner Behauptete nicht stimmt. Zur Erinnerung: Es ging um die Anträge zur Wirtschaftsfördeung, die von der BfL in der Novembersitzung der Bürgerschaft gestellt worden sind. Unter anderem hat man dort zum Beispiel die Einrichtung eines Investitionslotsen gefordert oder die Einrichtung einer “Denkfabrik”. Wir haben als SPD mit diesen Anträgen auch keine grundsätzlich inhaltlichen Probleme gehabt. Der Knackpunkt ist aber, dass es die von der BfL geforderten Dinge zum Teil schon sehr lange gibt, wenn auch in leicht anderer Form und im Detail unterschiedlich. Daher haben wir die Anträge nicht vertagt, sondern folgendes beantragt, was auch mehrheitlich(!) vom Wirtschaftsausschuss beschlossen wurde:
- Die Anträge werden an den Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderung übergeben, der dazu Stellung bezieht. In diesem Aufsichsrat hat übrigens ein Vertreter der BfL den Vorsitz.
- Die Verwaltung wird aufgefordert zu den Anträge Stellung zu beziehen und ihre Sicht der Dinge bzgl. Umsetzung und Notwendigkeit zu schildern.
- Es gibt kurzfristig (darauf haben wir bestanden!) eine gemeinsame Sitzung von Wirtschaftsausschuss und Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderung, in dem die Punkte dann diskutiert werden.
Wir haben dieses Prozedere beantragt, weil wir der Meinung sind, dass wir zuwenig Fakten für eine fundierte Entscheidung haben. Wenn das für die Leute um Mildner ein Grund ist, um eine mögliche Kooperation auszuschlagen, finde ich das mehr als bedauerlich – in den Kommentaren bei HL-Live wurden dazu deutlichere Worte gefunden.

