
Ralf Stegner ©Dietmar Walberg (cc-by-sa)
Die Lübecker Nachrichten haben heute ein Interview mit dem Chef des Meinungsforschungsinstituts veröffentlicht, in dem dieser Ralf Stegner einen “Kotzbrocken” genannt hat und der SPD einen baldigen Wechsel des Spitzenkandidaten empfiehlt. Wörtlich heißt es in dem Interview:
“LN: Warum bekommt der SPD die Große Koalition so viel schlechter als der Union?
Güllner: Die SPD hat ihre Schwachstellen und zeigt sie zur Verunsicherung ihrer Wähler immer wieder. Der Ausschlussversuch und der Austritt Wolfgang Clements. Hessen, wo Andrea Ypsilanti nicht zurücktritt. Oder nehmen Sie Ralf Stegner in Schleswig-Holstein. Der wird, mit Verlaub, von den Menschen als Kotzbrocken wahrgenommen. Wo immer er auftritt, stabilisiert er dieses Bild. Das alles hält die SPD unten.
LN: Sollte die SPD Stegner etwa verstecken?
Güllner: Jeder weiß, dass er unsympathisch wirkt und der ungeeignetste Kandidat ist, den man einem Ministerpräsidenten Carstensen entgegenstellen kann. Den Schleswig-Holsteinern kann man nur raten, ihn zu verstecken.” (Quelle)
Mal ganz davon abgesehen, dass sich jemand mit einem Begriff wie “Kotzbrocken” selber disqualifiziert, kann man solche Äußerungen nicht unwidersprochen stehen lassen. Als erstes muss man dazu einige Sätze über den Chef von Forsa verlieren, der sich in den vergangenen Jahren regelmäßig negativ über die SPD geäußert hat und dies immer als Meinung des Volkes verstanden wissen wollte. Das Medienmagazin “ZAPP” des NDR hat darüber berichtet:
“Es ist schon auffällig – seit über einem Jahr schneidet die SPD bei den Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Durchschnitt um vier Prozent schlechter ab als bei Infratest Dimap oder der Forschungsgruppe Wahlen. Und Forsa Chef Manfred Güllner lässt kaum eine Gelegenheit aus, um sich in den Medien kritisch über die Sozialdemokraten und ihren Parteichef Beck zu äußern. Dabei ist Güllner selbst SPD-Mitglied. Was ist also der Grund für die miesen Zahlen? Sozialdemokraten sprechen von Manipulation und werfen Güllner verletzte Eitelkeit vor, weil er keine Aufträge mehr vom Willy Brandt Haus bekommt. Güllner liefert seine Erklärung: Die Forsa Zahlen seien die einzig richtigen, die anderen Institute würden falsch liegen.” (Quelle)
Man muss nur mal bei Google nach Interviews mit Güllner suchen, um die ganzen Watschen, die er gegenüber der SPD verteilt, nachzulesen. Von einem neutralen Meinungsforschungsinstitut erwarte ich eigentlich etwas anderes. Sei’s drum. Allerdings sollte man diese “Kotzbrocken” Behauptung von Güllner auch nicht einfach so stehen lassen. Dieses Vorurteil über Ralf Stegner, dass dieser eben ein arroganter Kotzbrocken sei, kann ich auch nicht mehr hören. Deswegen ein paar Sätze dazu.
Ich habe Ralf zum ersten Mal im Jahr 2003 (oder 2004?) bei einer Veranstaltung im Restaurant auf der Lohmühlen Tribühne getroffen, als es um die finanzielle Förderung des Sports im Allgemeinen und auch um die Finanzierung des VfB Fanprojekts ging. Das war eine Veranstaltung im kleinen Kreis auf der offen diskutiert wurde und ich auch immer den Eindruck hatte, dass das eine fruchtbare Diskussion war. Im Verlauf der weiteren Jahre habe ich Ralf dann immer wieder auf kleinen wie auch größeren Veranstaltungen und Diskussionsrunden erlebt. Dabei habe ich keinen Kotzbrocken entdecken können. Ganz im Gegenteil: Ralf ist jemand, der ernsthaft zuhört, sich mit den Problemem auseinandersetzt und dabei nicht von oben herab wirkt. Ich wüsste wirklich nicht, was ihn als “Kotzbrocken” qualifizieren könnte.
Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen Ralf Stegner und vielen anderen Politikern. Ralf hat klare politische Ansichten und kann die auch zugespitzt formulieren. Das ist natürlich ein ziemlicher Unterschied zu Politikern wie Peter Harry Carstensen (noch Ministerpräsident; ehemals Teilnehmer von “Bauer sucht Frau” in der BILD), die sich politisch wie der berühmte Wackelpudding verhalten, den man nur schwer festnageln kann. Wenn man – wie PHC – nur herumeiert und mit keiner Meinungsäußerung anecken will, läuft man natürlich wenig Gefahr, politisch angegriffen zu werden.
Mir sind Politiker lieber, die eine Meinung haben und diese auch formulieren können.