
Lübecker Kunsthalle ©jphintze
In der Lübecker Bürgerschaft sitzt eine 1-Frau Fraktion namens “BUNT”, vertreten durch Hildegund Stamm. Diese Vereinigung hat sich erst sehr kurz vor der Wahl gegründet, um vom Wegfall der 5% Hürde profitieren zu können. So weit, so legitim. Was mich allerdings konkret auch an dieser Guppierung stört, ist das vollmundige Versprechen alles besser zu machen und mit dem Finger auf andere Kommunalpolitiker zu zeigen, die ja ohnehin keine Ahnung hätten, nur um dann selber von einem Versprechen zum nächsten zu hüpfen. Beispiele? Gerne.
Am 04.10.2008 hat Frau Stamm eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie die Haushaltspolitik der Hansestadt kritisiert und zum drastischen Sparen aufruft, das ihr zufolge unumgänglich sei:
“Es müsse endlich Schluss sein mit der verantwortungslosen Lübecker Känguruhpolitik, die dadurch gekennzeichnet ist, dass große Sprünge mit leerem Beutel gemacht werden. (…) Striktes Sparen sei jetzt unausweichlich. (…) Lübeck könne sehr viel Geld sparen. ‘Wer dies für unrealistisch hält, hat noch nicht begriffen, wie unrealistisch es ist, mit Millionenschulden einfach weiterzuwurschteln’”. (Quelle: HL-Live)
Das hindert Frau Stamm aber nicht, weiter fröhlich das Ausgeben von Geldern zu fordern, ohne dass sie auch nur im Ansatz erwähnt wo das Geld denn herkommen soll. Keine vier Wochen später will sie nämlich den Eintritt in Lübecker Museen abschaffen:
“In der dunklen Jahreszeit bieten sich die Kultureinrichtungen besonders zum Besuch an. Testweise kommen jetzt Neugierige eine Stunde vor Schluss zum halben Preis in die Museen. Dieser Schritt sei allerdings halbherzig. Der Eintritt in die Lübecker Museen sollte – von Ausnahmen abgesehen – kostenlos sein. (…) “Es ist eindeutig: Von den Eintrittsgeldern werden viele abgeschreckt”, sagt Stamm. Die Museen blieben verwaist und kosteten dennoch hohen Unterhalt, den auch diejenigen aufbringen müssten, die nie ins Museum gehen. “Wir wollen, dass es hier lebendiger zugeht! So wie in Londons staatlichen Museen, die allesamt keinen Eintritt erheben und attraktive Orte lebhafter Kommunikation und Kultur sind.” Mehr Besucher würden auch mehr Einnahmen in den Shops und Cafés der Museen. “Das rechnet sich mit Sicherheit”, sagt Stamm.” (Quelle: HL-Live)
Dazu will ich mal ein paar Zahlen in den Raum stellen. Da wäre zum Beispiel der Bericht aus der Stadtzeitung über das Jahr 2005, in dem die Einnahmesituation der Lübecker Museen geschildert wird:
“Insgesamt 227.752 Gäste besuchten im Jahr 2005 die Lübecker Museen. Im Vergleich zum Vorjahr (240.978) bedeutet dies einen leichten Rückgang von fünf Prozent. Hinter dieser Zahl verbergen sich stark abweichende Entwicklungen in den einzelnen Häusern, wie die Kulturstiftung Hansestadt Lübeck heute mitgeteilt hat. Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Verkaufserlösen lagen bei insgesamt 918.799,92 Euro und liegen damit etwas höher als 2004 (903.490,37).” (Quelle: Stadtzeitung)
Und wer es ganz genau haben will, der findet in den Haushalten der vergangenen Jahre die genauen Zahlen für die Lübecker Museen – einfach mal die PDFs runterladen und im Bericht nach “Museen” suchen (mit <STRG>+<F>). Da findet man dann mehrere hunderttausend Euros an Einnahmen, die durch die Museen erwirtschaftet werden. Es ist durchaus legitim, zu fordern, dass die Lübecker Museen keinen Eintritt mehr nehmen und alles kostenfrei zur Verfügung stellen. Es ist aber unseriös, wenn man im Oktober das harte Sparen fordert, nur um im November dann Geld mit vollen Händen ausgeben zu wollen. Wohlgemerkt: Frau Stamm hat in ihrer Pressemitteillung nicht ein einziges Wort zu den Kosten verloren, geschweige denn wie sie das finanzieren will. Sie behauptet darin lediglich, dass durch den kostenfreien Zugang mehr Leute kämen, die dann in den Museumshops mehr kaufen. Und das würde schon ausreichen.
Unseriös.