Ich habe es getan. Ich habe die silberne Kino Flatrate vom Cinemaxx: sechs Monate für 150€. Gucken bis der Arzt kommt. Damit sich das rechnet, muss man auch mindestens drei Mal im Monat ins Kino. Diesen Monat war ich mit einem Freund (der die Flatrate auch hat) zweimal im Kino und am kommenden Samstag wollen wir wieder zwei Filme sehen. Mal sehen wie es am Ende der sechs Monate unterm Strich aussieht ;)
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Okt 08
Das Baader Meinhof Ärgernis im Kino
Nachdem ich gestern Abend mit einem Freund den großartigen “Hellboy 2″ im Kino gesehen hatte, wollten wir noch einen Film sehen und haben uns für den “Baader Meinhof Komplex” entschieden. An uns liegt es jedenfalls nicht, wenn die Kinolandschaft mangels Nachfrage ausstirbt. Allerdings sollte das Aussterben der Kinos auch nicht weiter verwundern, wenn man den Baader Meinhof Murks gesehen hat. Das Ärgernis fängt schon mit dem Vorspann an. Dort wird man als zahlender Kunde erstmal wieder eingeschüchtert und mit Gefängnis bedroht, weil man ja theoretisch diesen Superdupi Film abfilmen und im Internet anbieten könnte. Liebe “Constantin Film”: Wir haben gestern Abend für zwei Kinokarten knapp 20€(!) bezahlt (plus Hellboy 2 mit noch mal 20€) – und dann müssen wir uns als zahlende Kunden diese Drohungen vor dem Film anschauen, indem die angeblichen Verlusten der Filmindustrie mit geschätzen 500 Fantastrilliarden angegeben werden? Das ist genauso frech wie diese nicht vorspulbaren Spots auf Kauf-DVDs, in denen mehrere Jahre Knast angedroht werden, wenn man diese DVD jemals auch nur im Ansatz kopieren sollte. Als zahlender Kunde muss ich mich erstmal einschüchtern lassen? Ich habe erst eine DVD erlebt, in der dieser Kram nicht kam, sondern vor dem Film ein schlichtes “Danke, dass sie diese DVD gekauft haben” eingeblendet wurde. Übrigens: Diese ganzen “Klauen ist böse”-Vorspänne werden von den tatsächlichen Raubkopieren natürlich weggeschnitten.
Zurück zum Film. Der taugt in meinen Augen leider nicht viel. In dem Wikipedia Artikel zum Film gibt es ein (unbelegtes) Zitat vom Regisseur:
“Uli Edel und Bernd Eichinger war es wichtig, „ …die Geschichte der RAF nicht jemandem (zu) erzählen, der sie schon kennt, […] sondern unseren Kindern, die so gut wie nichts darüber wissen. Denen wollten wir erzählen, was von 1967 bis 1977 in Deutschland passiert ist“ (Zitat U. Edel)” (Quelle: Wikipedia)
Sollte das wirklich das Ziel gewesen sein, würde ich sagen: Ziel erreicht. Mit dem 150 Minuten Streifen wird durchaus erzählt was in dieser Zeit so passiert ist, auch wenn es über die Darstellung des Geschehens abweichende Meinungen gibt wie etwa bei der Ermordung Jürgen Pontos. Das Manko des Films ist aber die Nicht Beantwortung der Frage nach dem Warum des ganzen Geschehens. Die Figuren werden mehr oder weniger plötzlich im Jahr 1967 eingeführt und sind “einfach da”. Angedeutete familäre Hintergründe gibt es zu Ulrike Meinhof, die ihren untreuen Mann verlässt oder zu Gudrun Ensslin, deren Familie offenbar aus dramaturgischen Gründen ein Riesenkreuz über dem Fernseher hängen hatte, weil der Vater Pfarrer war. Allerdings war es das auch schon mit den Hintergründen zu den Figuren. Schon Moritz Bleibtreu Andreas Baader taucht einfach so im Film auf. So läuft das dann die ganze Zeit weiter. Figuren tauchen auf, machen irgendwas, werden kriminelle Terroristen und handeln einfach.
Die Begründungen für deren Handeln werden kurz in eingeblendeten alten Tagesschau Sendungen oder Diskussionsrunden nachgereicht, in der Ulrike Meinhof die “rechte Presse” für alles verantwortlich machen darf. Ebenfalls werden Meinhofs Texte im Verlauf des Films zitiert, was sich allerdings auf kleine Ausschnitte beschränkt. Das alles mag die Gesamtsituation nachzeichnen, in der die Proteste der ’68er stattfanden, die dann in kleinen Teilen in der Entstehung des organisierten kriminellen Terrorismus mündeten. Es wird aber nicht eine Minute lang versucht, die persönlichen Motive der Akteure nachzuzeichnen.
Zwei Beispiele will ich dafür mal anführen. Das erste Beispiel ist das Attentat auf Rudi Dutschke. Der Täter wird gezeigt, wie er Fernsehen schaut und dabei mit einem Revolver auf den Fernseher zielt. Während und nach der Schüsse auf Rudi Dutschke ruft er “Scheiß Kommunist” (oä) und verschwindet wenige Augenblicke später wieder aus dem Film. Nun muss man dazu wissen, dass einige Studenten die Publikationen des Axel Springer Verlags hierfür verantwortlich machten, die gegen Dutschke gehetzt hätten.
Das zweite Beispiel für die Inhaltsleere des Films schließt an dem Attentat auf Dutschke an. Die nächsten Szenen handeln von den gewalttätigen Protesten gegen den Axel Springer Verlag, die später in einem Bombenattentat münden. Wenn man nicht weiß, dass die Demonstranten damals den Springer Verlag mitverantwortlich gemacht haben, fragt man sich als Zuschauer doch schon, warum die nun dem Springer Verlag so gewalttätig gegenüberstehen. Es ergibt in der Filmlogik nicht wirklich einen Sinn, warum so gewalttätig gegen Springer demonstriert wird.
Eigentlich ergibt recht wenig in dem Film einen wirklichen Sinn. In einer Szene diskutiert Bruno Ganz als BKA Chef über die möglichen Motive der Terroristen und ruft dazu auf, dass man sich der Realität stellen und deren Motivation nachvollziehen müsse, wenn man sie bekämpfen wolle. Genau daran hapert es aber im ganzen Film. Beispiel Andreas Baader: Er taucht im Film einfach an einer Stelle auf und ist fortan der Macho, der vor allem seinen Spaß sieht. Im palästinensischen Trainingscamp liegt er mit einigen nackten Frauen auf einem Hausdach in der Sonne und bügelt jede Kritik daran ab mit “Fucking is like shooting” (oder so ähnlich) nachdem er sich dort schon die ganze Zeit wie der König aufgeführt hat. Das sind alles Momentaufnahmen, die seinen Charakter zeigen. Auf Schlüsselmomente, aus denen sein Antrieb ersichtlich wird, wartet man hingegen vergeblich. Es stellt sich generell in dem Film die Frage, warum die Hauptpersonen schließlich zu den kriminellen Terroristen werden. Außer der Behauptung, dass die “BRD” in den Faschismus abgleite und der amerikanische Imperialismus aufzuhalten sei, wird da nicht viel thematisiert. Vor allem werden niemals persönliche Motive wirklich beleuchtet.
Daran krankt der Film letztlich. Er ist eine Dokumentation, die die Ereignisse wiedergibt, wie sie sich abgespielt haben sollen. Die darüber hinaus gehenden Möglichkeiten eines fiktionalen Stoffes nimmt der Film nicht wahr. Es gibt keine Schlüsselszenen, die einen Charakter erklären; es sei denn Eichinger und Edel wollen zum Beispiel erzählen, dass Ulrike Meinhof militant wurde weil ihr Ehemann sie betrogen hat. Man versteht auch nicht wirklich warum es eine zweite und dritte Generation der RAF gab. Sie haben sich im Film ganz einfach gegründet und waren dann eben da.
Mich ärgert das, weil der Film einen Pseudoanspruch aufbaut, den es schlicht nicht gibt und weil die ganze PR rund um den Film so gestrickt ist als sei dieses Werk nun der Weisheit letzter Schluss und eine Aufarbeitung der Geschichte der RAF.
Darauf muss man wohl noch warten.
10
Aug 08
Ganz heißer Tipp: “Immer nie am Meer”
Gestern Abend war ich mit einem Freund in der Videothek, da das Fernsehprogramm selbst für Sommerlochverhältnisse einen Tiefpunkt erreicht hat. Neben all dem Murks, der da so rumsteht, ist uns ein Film aufgefallen, der laut Cover von der Titanic “dringendst empfohlen” wird. Das ist doch mal ein Qualitätsurteil. Und, was soll ich sagen? Der Film ist wirklich verdammt gut; deswegen unbedingt anschauen: “Immer nie am Meer“. Der Film hat mich positiv überrascht und verdammt gut unterhalten. Drei Männer haben im Wald einen Unfall und sind in ihrem Auto einige Tage gefangen. Dabei entwickelt sich eine herrlich skurrile Situation, in der jemand wie Heinz Strunk reinpasst wie die Faust aufs Auge:
“Geschichtsprofessor Baisch, sein depressiver und tablettensüchtiger Schwager Anzengruber und ein manischer Kleinkünstler haben nach einer Feier einen Autounfall auf einer abgelegenen Landstraße. Eingekeilt zwischen zwei Bäumen bleiben sie stecken, Türen und Fenster lassen sich nicht mehr öffnen, die Fenster aus Panzerglas lassen sich nicht einschlagen. Verletzt und ohne Aussicht auf Entkommen warten sie tagelang auf Rettung. Ihr einziger Proviant ist eine Schüssel Heringssalat und einige Flaschen Prosecco. Wut- und Angstanfälle wechseln mit überdrehter Heiterkeit und verzweifelten Weinkrämpfen. Aber es kommt noch schlimmer…” (Quelle)
10
Sep 07
Grindel Kino macht dicht?
Im Prinzip bin ich recht zufrieden mit dem Lübecker Unterhaltungsangebot. Das einzige was mir in der Lübecker Kinolandschaft fehlt, ist ein Kino, das Mainstream Kino auch im Original zeigt. Filme “mit Anspruch” gibt es zum Beispiel im Kommunalen Kino häufig als “OmU” (Original mit Untertitel). Wenn ich aber mal irgendwas der Art Die Hard, Simpsons oder ähnliches im Original sehen möchte, muss ich nach Hamburg ins Ufa-Grindel Kino. Allerdings könnte das bald Geschichte sein. Verschiedenen Berichten zufolge, soll das Kino bald schließen, wenn sich die Umsatzzahlen nicht drastisch verbessern. Das wäre dann die letzte Möglichkeit gewesen, hier in der Umgebung Filme im Original zu sehen. Insofern werde ich weiter meinen Euro dazu beitragen, dass das Kino erhalten bleibt und hoffe, dass sich dem viele anschließen ;)


