Posts Tagged: FDP


21
Feb 10

Diskussionskultur, Du Arsch.

©TheTruthAbout... CC-Lizenz:BY-SA

Was mich an der aktuellen Debatte über Westerwelles Angriffe auf den Sozialstaat vor allem stört, ist der Ton, der von Guido Westerwelle angeschlagen wird. Ich habe noch keine politische Debatte erlebt, die mit pauschalen Diffamierungen begonnen hat, um dann erfolgreich seriöse Argumente auszutauschen. Ganz im Gegenteil: Wer von vornherein mit solchen Verbalholzereien wie „spätrömische Dekadenz”, „Sozialismus” und Anderem um sich wirft, hat doch ganz offensichtlich überhaupt nicht das Interesse an einer sachlichen Auseinandersetzung. Und wenn man das anspricht, kommen Null-Argumente der Marke „man wird doch noch sagen dürfen, dass…” oder „schließlich würden das ja ohnehin alle denken”.

Was für eine politische Kultur soll das eigentlich sein, wo man nicht mehr Argumente austauscht, sondern möglichst lautstark pöbelt, um Aufmerksamkeit zu erregen? Wenn man ein ehrliches Interesse an einer Debatte hat, kann doch nicht der erste Schritt so aussehen, dass man erstmal alle anderen bepöbelt, die vielleicht anderer Meinung sind oder sich gar nicht wehren können.


21
Jan 10

Die FDP und der Wettbewerb an sich

Aus dem „Deutschlandprogramm” der FDP:

Wettbewerb mit klaren Regeln ist das Leitmotiv liberaler Wirtschaftspolitik. Wettbewerb sorgt für Angebotsvielfalt, Qualität und marktgerechte Preise. Monopolmärkte müssen wirkungsvoll aufgebrochen und durch eine effiziente Regulierung langfristig verhindert werden.

Aus dem Koalitionsvertrag von CDU/FDP:

Die freiberuflichen Apothekerinnen und Apotheker spielen für eine gute Arzneimittelversorgung eine zentrale und wichtige Rolle. Eine Änderung des bestehenden Mehr- und Fremdbesitzverbotes lehnen wir deshalb ab. Wir werden die Auswüchse beim Versandhandel bekämpfen, indem wir die Abgabe von Arzneimitteln in den sogenannten Pick-up-Stellen verbieten.

Merkst’ selber?


2
Dez 09

Sozialticket? Kein Geld. Flughafen? Kein Problem.

Wie glaubwürdig ist es eigentlich, wenn man Dienstag behauptet, dass für ein Projekt kein Geld da sei und Mittwoch wiederum erzählt, dass Geld natürlich vorhanden sei? Diese merkwürdige Dialektik ist für die „Bürger” für Lübeck kein Problem:

“(…)ein Sozialticket, so wünschenswert es auch für den vorgeschlagenen Empfängerkreis wäre, ist für die Stadt momentan unfinanzierbar. Jährlich weitere Schulden machen wäre der einzige Weg der Finanzierung – hierdurch würden dann nachfolgende Generationen enorm belastet.” (Stadtzeitung vom 01.12.2009, Beitrag der „Bürger” für Lübeck)

“Das bürgerliche Lager will damit vier Millionen Euro für den Airport-Ausbau locker machen und auch den Liquiditätsbedarf des Flughafens von 3,5 Millionen Euro bis 2012 sichern. Als Finanzierungsvorschlag werden die Einnahmen aus dem Verkauf der städtischen Erbbaurechte genannt, die 7,5 Millionen Euro ausmachen.” (Lübecker Nachrichten vom 02.12.2009 über das Bürgerbegehren zum Erhalt des Lübecker Flughafens, das von den „Bürgern” für Lübeck unterstützt wird)

Man kann aus guten Gründen für oder gegen ein Sozialticket sein. Wenn man ein Sozialticket aber aus finanziellen Gründen „leider, leider” ablehnen muss und keine 24 Stunden später 7,5 Millionen Euro aus dem Hut zaubert für den Flughafen, ist das schon interessant. Und, falls ich das mal an dieser Stelle erwähnen darf: In der letzten Sitzung des Wirtschaftsausschusses waren die Erbbaugrundstücke ebenfalls auf der Tagesordnung. Vor nicht einmal vier Wochen haben dort alle(!) Fraktionen im Ausschuss beschlossen, dass die Einnahmen zur Schuldentilgung zu Verwenden sind:

“3. Die Verkaufserlöse werden zur Schuldentilgung bzw. zur Verringerung ansonsten notwendiger städtischer Kreditaufnahmen verwendet. (…) Ferner beantragt Herr Pluschkell, den Beschlusspunkt Nr. 3 dahingehend zu ändern, dass die Verkaufserlöse ausschließlich zur Schuldentilgung verwendet werden.”

Der Wirtschaftsausschuss nimmt den Antrag TOP 13.1, Drs. 699 einstimmig an.” (Quelle: Protokoll [PDF])

Ich habe das Protokoll der Bürgerschaftssitzung von Ende November noch nicht gelesen, da es noch nicht online erhältlich ist. Wenn mich aber nicht alles täuscht, wurde dem Beschluss des Wirtschaftsausschusses in der Bürgerschaft stattgegeben. Anstatt also die Schulden der Stadt zu tilgen, möchten CDU/FDP/BfL jetzt die Einnahmen aus den Verkäufen — die übrigens noch gar nicht vorhanden, sondern geplant sind! — lieber in den Flughafen stecken. So ist es ja auch am einfachsten: Es wird nirgendwo was eingespart, niemandem wird auf die Füße getreten. Dass das Geld dann zur Schuldentilgung der Stadt fehlt und die nachfolgenden Generationen somit belastet, ist denen offenkundig egal. Lieber weiter in einen Flughafen investieren, den außer der Stadt kein privater Investor betreiben will.


17
Jan 08

Mehr Geld für Besserverdienende von CDU/FDP

Aus den Nachrichten des DLF vom 15. Januar:

“Rund 20 Bundestagsabgeordnete von Union und FDP haben sich gestern Abend in Berlin zu einer Gesprächsrunde getroffen. Man wolle gemeinsam daran arbeiten, bei den anstehenden Wahlen linke Mehrheiten zu verhindern, erklärten die Generalsekretäre von FDP und CDU, Niebel und Pofalla, nach der Begegnung. Es habe auch Einigkeit darüber bestanden, dass in der kommenden Legislaturperiode Steuerentlastungen für Besserverdienende beschlossen werden müssten.”

gelbe AmpelAuf jeden Fall. Und wenn dem Staat dann wieder das Geld fehlt, um zum Beispiel für schnelle Verfahren in der Jugendgerichtsbarkeit zu sorgen oder Jugendhilfemaßnahmen nicht mehr finanziert werden können, dann ist das eben so? Wir streichen weiter Gelder in der Kriminalitätsprävention weil die Haushalte dann noch knapper sind? Das soll verantwortliche Politik sein? Einfach mal die Steuern für “Besservediener” senken ohne zu erzählen wie die Einnahmeausfälle kompensiert werden sollen? So einfach funktioniert das nicht. Am Anfang eines solchen Konzepts muss ja wohl erstmal eine öffentliche Diskussion darüber erfolgen was der Staat überhaupt leisten soll und welche Aufgaben wir ihm übertragen. Dann muss man sich über die Finanzierung dieser Aufgaben Gedanken machen und auf dieser Grundlage dann Steuern erheben oder eben auch mal senken. Dem Staat aber erstmal pauschal die Einnahmen zu streichen und dann zu sagen “sieh mal zu wie Du damit klar kommst”, hat mit seriöser Politik nicht viel zu tun. Ich wüsste auch zu gerne mal wie Städte wie Lübeck jemals ihre Schuldenberge abtragen sollen wenn an anderen Stellen schon wieder über Steuersenkungen debattiert wird…

Ich will da auch nicht falsch verstanden werden: Der Staat sollte nur soviel Steuern erheben und einnehmen wie er zur Erledigung seiner Aufgaben benötigt. Aber genau das ist auch der springende Punkt. Wenn man Steuern senken will (und das ist natürlich legitim!) muss man auch sagen, welche Aufgaben der Staat in Zukunft dann eben nicht mehr erledigen solle. Und davor drückt man sich bei der CDU gerne mal während die Antwort bei der FDP ohnehin klar ist – da will man den Staat am liebsten auf die Nachtwächterrolle reduzieren, der weitestgehend alles privatisiert. Polizei hinter Gittern

Einen ähnlich wirren Ansatz verfolgt die CDU in Schleswig-Holstein. Die CDU möchte gerne Landespersonal einsparen um somit den Landeshaushalt zu entlasten. Allerdings ist die Reihenfolge auch hier wieder die falsche: Anstatt zu sagen welche Aufgaben das Land nicht mehr wahrnehmen soll, um dann Personal zu sparen, wird pauschal die Kürzung von Personal gefordert. “Konkret” heißt es dazu:

“Das von der CDU-Fraktion vorgeschlagene Personalmanagementkonzept sieht die Einführung eines Zentralen Personalpools sowie eine Zentrale Personalsteuerung vor. Bisher konnte jedes Ministerium unabhängig über den Bedarf und die Neueinstellung von Mitarbeitern entscheiden. Dieses soll künftig nicht mehr möglich sein. Die Zentrale Personalsteuerung soll künftig für die gesamte Personalbewirtschaftung der Landesverwaltung zuständig sein. Sie entscheidet zentral darüber, ob die Stelle aus dem Zentralen Personalpool besetzt werden kann, oder ob eine externe Neueinstellung notwendig ist. Ein solches neues Personalmanagement ist nötig, da durch fortschreitende Aufgabenkritik und Verwaltungsreform Aufgaben wegfallen und/oder verlagert werden.” (Quelle: CDU Fraktion, Seite 2)

“Ganz besonders galt und gilt das für die Forderung, 10 Prozent des Personalhaushaltes einzusparen, weil wir ihn uns in dieser Höhe schlicht nicht mehr leisten können. In den nächsten Jahren steht eine enorme Welle an Pensionierungen an. Wenn wir diese Stellen alle wieder besetzen, dann werden wir scheitern!“. Die anstehende Pensionierungswelle biete die einzige und letzte Chance, den Personalhaushalt ohne betriebsbedingte Kündigungen zu sanieren.” (Quelle: CDU Fraktion)

“Fortschreitende Aufgabenkritik”, soso. Ich bin mal gespannt. Die Kritik der SPD trifft es ziemlich gut:

“Sozialdemokraten sind auch für Personalabbau. Aber Voraussetzung dafür ist, dass wir erst einmal definieren – und da hat die Regierung eine Vorlage gemacht -: Welche Aufgaben sollen wegfallen, welche Aufgaben sollen auf welche Ebene verlagert werden? Verwaltungsstrukturreform konsequent umsetzen – es liegt auch am Parlament, das Ganze zu machen. Am Ende werden wir feststellen, welche Stellenzahl dann insgesamt aus dem Landeshaushalt wegfällt. Das ist der konsequente Weg.” (Quelle: SPD Fraktion)

Das ist genau das Gleiche wie oben erwähnt. Wenn man Steuern senken und Personal abbauen will, muss man endlich mal so ehrlich sein und sagen was an staatlichen Aufgaben gestrichen werden soll. Punkt.

(Die Bilder stammen von Flickr, Fotograf: “vovchychko”)


4
Nov 07

Die FDP will auch nur Männer

Die FDP hat gewählt und entschieden: Unter den 15 Kandidaten ihrer Wahlliste sind gerade drei Frauen vertreten. Die erste Frau befindet sich zudem auf Platz 5, sodass anzunehmen ist, dass die Liberalen nur Männer in die Bürgerschaft schicken, wenn sie denn überhaupt gewählt werden. Das passt ins Bild der FDP. Schließlich sitzen auch im Kieler Landtag ausschließlich Männer für die FDP im Parlament. Und auch im Bundestag sind es lediglich 14 Frauen (wenn ich mich nicht verzählt habe…) von insgesamt 61(!) Abgeordneten. Für eine fortschrittliche Partei, die glaubwürdig auch die Interessen von Frauen vertritt, spricht das nicht gerade…