
Öffentliche Toilette mit Beleuchtung - ©Schockwellenreiter CC-Lizenz:BY-NC-ND
Hach. Der Bund der Mittelstandsunternehmer Wirtschaft Steuerzahler hat wieder sein jährliches Schwarzbuch veröffentlicht und diesmal die Toiletten am Lübecker Markt im Auge:
“Sage und schreibe 130.000 Euro im Jahr zahlen die Entsorgungsbetriebe Lübeck für die Anmietung von zwei Toiletten am Lübecker Marktplatz. Dabei handelt es sich auch nicht um irgendwelche Standardeinrichtungen, sondern um Toilettenräume in japanischem Design. (…) Die jetzt gefundene Lösung ist aber vor allem extravagant und teuer. Im September 2006 wurden zwei hochmoderne, behindertengerechte, voll automatische und selbstreinigende Toiletten im japanischen Design errichtet. Die eine wurde gegen eine Jahresmiete von 50.000 Euro angemietet, die andere von einem Berliner Unternehmen bis Ende 2008 finanziert. Nach Auslaufen der Verträge mieten die Entsorgungsbetriebe beide Bedürfnisanstalten jetzt zum stolzen Jahrespreis von 130.000 Euro.” (Quelle: Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes)
Und da “HL-Live” das Thema schon aufgegriffen hat, bin ich schon ganz gespannt auf die üblichen Kommentare, die dort eintrudeln werden. Da fällt dann auch gar nicht mehr auf, dass die Kritik des Steuerzahlerbundes an den Haaren herbeigezogen ist. Dazu muss man nur kurz überlegen, wie die Situation auf dem Markt vorher war: Dunkle, unterirdische Toiletten, die häufig stark verschmutzt waren und um die ich zumindest einen großen Bogen gemacht habe, wenn mich in der Stadt mal ein Bedürfnis überkam.
Und was haben wir jetzt auf dem Markt? Zwei Toilettenhäuschen, die behindertengerecht sind und 24h(!) eine Toilette bieten, die nach jeder(!) Benutzung vollautomatisch gereinigt wird, sodass man dort wirklich ohne Bedenken hingehen kann. Und was würde wohl eine öffentlichte Toilette kosten, die rund um die Uhr geöffnet ist und von Personal nach jeder(!) Benutzung gereinigt wird? Das kann man recht einfach nachrechnen: man braucht mindestens 6-8 Angestellte (3 Schichten á 8 Stunden an 7 Tagen + Ersatz für Krankheit und Urlaub), um die Toiletten zu reinigen. Kalkuliert man für jede Person Bruttokosten von etwa 3.000€ pro Monat (Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie alles andere mal außen vor gelassen), kommt man auf jährliche Kosten von etwa 216.000€, realistisch also auf eine Summe zwischen 200.000-250.000€.
Da frage ich mich ganz ernsthaft, wo bei einem Jahrepreis von 130.000€ für die Toiletten am Mark das Problem sein soll. Es sei denn, man möchte Touristen weiterhin öffentliche Toiletten anbieten, die nach der zweiten Nutzung aussehen, als wäre der Teufel persönlich aufs Klo gegangen.




