Ich schrieb bereits über die Pläne von IKEA für Lübeck-Dänischburg und dass es hier Widerstand geben könnte, weil dort auch “innenstadtrelevantes Sortiment” angeboten werden soll. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses, Klaus Puschaddel (CDU), möchte den Kunden auch gerne vorschreiben wo sie lieber einkaufen sollen:
“Frage: Herr Puschaddel, IKEA in Dänischburg, wir sind glaube ich die beiden einzigen Travemünder heute Abend. Ist das kein Thema für Travemünde?
Klaus Puschaddel: Für Travemünde ist das auch ein Thema. Sowohl für die Altstadt als auch für Travemünde ist es wichtig, dass das innenstadtrelevante Sortiment so gering wie möglich ist. Es darf nicht dazu führen, dass Travemünder, um ihre Dinge des täglichen Bedarfes zu decken, zukünftig lieber zu IKEA fahren als den Travemünder Einzelhandel zum Beispiel zu unterstützen. Darauf werden wir achten. Am liebsten gar kein Innenstadt-Relevantes Sortiment.” (Zitiert von Nordzine, Hervorhebung von mir)
Das Angebot von IKEA darf also nicht dazu führen, dass Kunden lieber dahin fahren, wo sie einkaufen möchten, sondern gezwungenermaßen in Travemünde einzukaufen haben. Warum lässt man das nicht die Kunden entscheiden? Wenn die Travemünder Einzelhändler ein besseres Angebot haben als es IKEA vielleicht in Zukunft hat, sollten die den Wettbewerb doch nicht scheuen müssen. Das ist mir hier entschieden zu viel Protektionismus und staatlicher Schutz vor Wettbewerb. Und im Sinne der Kunden ist das alles ohnehin nicht.
Tags: CDU, IKEA, Lübeck, Travemünde
Das Problem mit der gesamten Regulierung von Handelsflächen ist, dass sie den Wettbewerb größtenteils außer Kraft setzt.
Leider ist die Welt auch nicht gar so einfach: Wenn man florierende Innenstädte und keine Leerstände möchte, dann ist anzuerkennen, dass dort Mieten höher und Parkplätze rarer sind. Die völlige Freigabe birgt die Gefahr der Verödung von Städten, weil das Preisniveau für ein gleiches Angebot in der Innenstadt einfach höher sein muss. Und nur mit Highend bekommt man die Stadt nicht voll – und will man vermutlich auch nicht.
Zwischen den beiden Extremen (Freigabe, Regulierung) gilt es abzuwägen und auszugleichen. Wie das in Lübeck geschieht, kann ich nicht beurteilen.
Ich fand es aber ausgesprochen schön, die obigen Sätze durch einen Sozialdemokraten formuliert zu sehen. Das musste jetzt einfach einmal gesagt werden. :-)
@Oliver Zumal diejenigen, die jetzt nach Schutz vor Konkurrenz rufen, auch die sind, die dem Staat ansonsten jede Regulierungsmacht absprechen und marktliberal wählen.
Wollte man denen mit einem Thema wie “Mindestlohn” (nur als ein Beispiel) kommen, sind das doch die ersten, die feststellen, dass der Staat sich rauszuhalten hat…