IKEA und die relevante Innenstadt

IKEA ©yassan-yukky CC-Lizenz:BY-NC

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[Disclaimer: Ich bin für die SPD bürgerliches Mitglied im Wirtschaftsausschuss und zweiter Vorsitzender des Ortsvereins Trave-Nord, in dessen Einzugsbereich der IKEA geplant ist. Das Folgende stellt momentan nur meine persönliche Meinung dar]

IKEA will in Lübeck-Dänischburg einen Möbelmarkt bauen und alle freuen sich. Grundsätzlich jedenfalls. IKEA will nämlich mehr als nur ein Möbelhaus bauen; die wollen an dem Standort noch zusätzlichen Handel ermöglichen: unter anderem einen Baumarkt, Bekleidung, Unterhaltungselektronik und ein Angebot mit Outdoor und Sport Artikeln. Das ist zum Teil ein Angebot, das so auch in der Innenstadt verkauft wird und deswegen auch “innenstadtrelavant” genannt wird.

Die ach so relevante Innenstadt

Der Gedanke hinter dem für die Innenstadt relevanten Angebot ist zunächst recht einleuchtend. Die Händler der Innenstadt können aus vielerlei Gründen nicht mit der sogenannten “Grünen Wiese” konkurrieren. Darunter versteht man die Angebote, an denen viel Einzelhandel auf einem Haufen angeboten wird, die meist in Autobahnnähe gebaut werden und dementsprechend leicht zu erreichen sind. Ließe man nun das Angebot der grünen Wiese unbeschränkt zu, droht die Gefahr, dass die Händler in der Innenstadt darunter leiden, der Leerstand durch Geschäftsaufgaben zunimmt und letztlich die Innenstadt ihren Charakter als Einkaufsbereich verlöre. Auch für Touristen wirkt eine Innenstadt voller leerstehender Geschäfte nicht eben attraktiv. Deswegen wird ein sogenanntes “innenstadtrelevantes” Sortiment definiert, das außerhalb der Innenstadt gar nicht oder nur mit Einschränkungen angeboten werden darf, um der Innenstadt keine Konkurrenz zu machen. De facto gibt es also einen staatlichen Bestandschutz für den Einzelhandel in der Stadt.
So weit die Theorie. In der Praxis sieht die Innenstadt in meinen Augen etwas anders aus. Wenn ich mir zum Beispiel das Angebot im Bereich Textilien anschaue, kann ich nicht behaupten, dass ich das wirklich attraktiv finde. Beuthien und Anny Friede haben längst geschlossen und außer Peek&Cloppenburg gibt es in der Stadt nicht wirklich viele Läden, wo man vernünftige Sachen zum Anziehen bekommen kann. Das Augenmerk liegt bei den meisten auf – sorry – billigen Plünnkram von der Stange. Auch in anderen Bereichen sind Angebot und Service arg eingeschränkt. Warum soll ich zum Beispiel bei einem Laden wie Karstadt einkaufen, wenn dort der Satz “Was sie hier nicht sehen, haben wir auch nicht!” das höchste der Gefühle ist und qualifiziertes Personal ganz offensichtlich eingespart wurde? Warum soll ich überhaupt in der Innenstadt kaufen? Ich bezahle für diese Tour mit dem Auto mindestens 2,40€ für den Herrentunnel plus 1-6€, um dort dann weit entfernt parken zu dürfen. Sollte es in der Stadt ein System der Parkgebührenerstattung geben – ich habe es nicht verstanden. Gibt es 1€ zurück? Den ganzen Betrag? Einen Teil? Nur, wenn ich in entsprechenden Läden kaufe? Warum soll ich mir zum Beispiel eine DVD bei Karstadt für 8,95€ kaufen, wenn ich unterm Strich dafür 11-13€ effektiv bezahle und für den Preis von Amazon nach Hause beliefert werde?

“Die heilige Kuh Innenstadt”

Das letzte Mal habe ich vor etwa 6-7 Jahren in der Innenstadt eingekauft. Ich sehe überhaupt keinen Grund, warum ich zum Einkaufen in die Stadt fahren sollte. Schlechtes Angebot, schlechter Service, Tunnelmaut, Parkgebühren – das muss ich alles nicht haben. Da fahre ich, wie viele andere Kücknitzer auch,  lieber nach Bad Schwartau oder auf die grüne Wiese zum CITTI Markt.
Für uns Kücknitzer wäre ein IKEA mit dem geplanten Angebot eine sehr große Bereicherung, da wir dann direkt im Stadtteil all das einkaufen können, weswegen wir jetzt noch Kilometerweit fahren müssen. Dazu kommen noch geschätzte 400 Arbeitsplätze, die gerade hier in Kücknitz, wo so viel Industrie weggefallen ist, dringend nötig sind. Ich finde auch, dass es an der Zeit ist, die heilige Kuh Innenstadt zu schlachten und endlich den Kunden entscheiden zu lassen, wo er einkaufen will anstatt zu versuchen, ihn in die Stadt zu zwingen.
Klar: Das bedeutet unter Umständen eine große Veränderung für die Innenstadt. Aber das ist nun mal der Lauf der Zeit, der sich nicht durch künstliche Innenstadtrelevanz aufhalten lässt. Dann muss das Leitbild der Stadt eben geändert werden und aus den Verkaufsflächen wird im Laufe der Zeit wieder Wohnraum. Warum soll das nicht funktionieren? Ich sehe es jedenfalls nicht ein, dass die Innenstadt dringende Entwicklungen für andere Stadtteile behindert und Kunden gegängelt werden.

3 comments

  1. Darüber habe ich auch schon mal nachgedacht. Im Gegensatz zu anderen Städten hat Lübeck ja durchaus attraktive Gebäude in der Innenstadt zu bieten, die sicherlich gern auch als Wohnraum vermietet oder verkauft werden könnten.
    In Kombination mit einer sich der Anzahl der dort lebenden Menschen anpassenden Restaurant- und Kneipenszene könnte die Innenstadt mittelfristig sogar auch für “Randgebietler” wieder attraktiv werden – allerdings nicht mehr zur Einkaufszeit, sondern nach Feierabend :-)

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