Die Travemünder Woche ist vorbei und die Polizei ist “schockiert“: Schwerst alkoholisierte Jugendliche, die mit teils extremen Promillewerten auch gewalttätig wurden, sind in den zwei Wochen unangenehm aufgefallen. Vor allem die starke Zunahme der Fälle sei schockierend. Passend dazu hat die Gmünder Ersatzkasse Zahlen veröffentlicht, denen zufolge die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Jugendlichen mit Alkoholvergiftung drastisch zugenommen habe und auch diese Extremfälle auf die Jugendlichen nicht abschreckend wirken.
Nun bin ich weit davon entfernt, die Ursachen für das zunehmenden Betrinken von Jugendlichen klar benennen zu können. Allerdings sollten diejenigen, die als Erwachsene auch eine Vorbildfunktion gegenüber Jugendlichen haben, eventuell mal überdenken, was sie vorleben und wie Alkohol hier tagtäglich beworben und angepriesen wird. Nachmittags läuft im Radio Werbung für Korn(!), Bier (“Krombacher – offizieller Partner der Bundesliga”, lief eben gerade um 15:54 auf R.SH), das “Duckstein Festival” und so ziemlich jedes Sportereignis im Fernehen wird von irgendeiner Brauerei gesponsort. Dazu kommen dann noch Fernsehwerbung, die Biertrinken als coole Sache für junge, hippe Menschen verkauft und Kochsendungen in denen fleißig Wein ins Essen oder den Koch gekippt wird. Darüber hinaus ist Alkohol fester Bestandteil vieler Veranstaltungen, wo auch Kinder und Jugendliche anwesend sind: Schützenfeste, Karnevalsfeiern, Fußballspiele, Geburtstagsfeiern, Jubiläen und wasweißichnichtalllesnoch. Gerne gesehen sind auch die Kegel-, Fußball- oder sonstige Vereinsmannschaften, die nach Mallorca fliegen und sich da der Druckbetankung hingeben bis der sprichwörtliche Arzt kommt. Gekrönt wird das dann mit T-Shirts der Marke “Besoffen auf Mallorca 2009 – ich war dabei!”.
Ich will das alles im übrigen auch gar nicht verurteilen: Jeder Erwachsende soll sich nach seinem Geschmack so dermaßen betrinken können, wie er (oder sie) Lust hat! Viel Spaß dabei. Wer aber mit dem Finger auf Jugendliche zeigt, die sich sinnungslos besaufen, sollte mal kurz überlegen, wie wir als Gesellschaft den Umgang mit Alkohol vorleben. Da genügt es nicht, wenn man in der Schule Präventionsunterricht macht und den Jugendlichen die Gefahren des Alkohols erzählt, wenn sie am Nachmittag beim Fußballspiel sehen, wie viel dort gesoffen Bier getrunken wird.
Vielleicht kann man die Probleme des Komasaufens durch Werbeverbote, Verkaufskontrollen und andere Maßnahmen reduzieren. Gänzlich lösen kann man das Problem aber nur, wenn die Gesellschaft vorlebt, das Alkohol in kleinen Mengen ein Genussmittel ist und das hemmungslose Besaufen bis hin zur Alkoholvergiftung geächtet wird.
Tags: Alkohol, Komasaufen

Ich muss sagen, ich bin auch gegen das Sinnlose Besäufnis vieler Jugendlicher. Und oft sind Erwachsene schlechte Vorbilder. Aber ich denke nicht das diesmal die Erwachsenen beschuldigt werden sollten.
Man kommt als Jugendlicher doch viel zu oft durch “Freunde” auf sowas.
Ich habe bisher noch keinen Jugendlichen gesehen, der einfach aufgrund einer Werbung gedacht hat … Krombacher… probier ich mal aus. Da kommen die Freunde die sagen, “Hey, probier mal das ist echt geil!”
Man fängt an und spürt die Wirkung. Bis zu einer grenze noch okay… Aber leider kennen zu viele Jugendliche diese Grenze entweder nicht, oder sie versuchen sie bewusst zu erreichen. Denn ist ja soooooooooo cool, wenn man am Montag in der Schule erzählen kann das man nix mehr von dem Wochenende weiß, weil man die ganze Zeit besoffen war.
Ich selber kenne in meinem Bekanntenkreis keinen Erwachsenen der sich SO aufführt.
Ich denke Jugendliche sind zu gestresst. Man versucht mit Alkohol und Nikotin abzuschalten von den stressigen Schultagen, und stürzt in diesen Teufelskreis den jeder kennt. Man will abschalten und feiert mit seinen Freunden das Wochenende durch, und am Mo ist man noch gestresster und müder als vor dem Wochenende. Also nochmal “abschalten” und das nächste Wochenende durchmachen. Und um guter Laune zu sein ein Bier dazu. Irgendwann reicht das Wochenende nicht und auch die Schultage kommen dazu.
Leider fällt mir kein Weg ein, diesen Unsinn zu beenden. Denn Alkohol zu verbieten, Erhöht den Reiz nur, Werbung zu verbieten wird auch nicht das wahre sein.
Schulische Aufklärung wäre ein Anfang, aber alleine bringt das natürlich nichts. Leider sind unsere Möglichkeiten den Alkoholgenuss der Jugendlichen einzuschränken, aber die Idee hemmungsloses Besaufen zu ächten ist gut … Nurmüssen wir die Jugendlichen selbst dazu bringen, damit es Wirkung zeigt!!!