Die LN zitieren aus einem Interview der TAZ mit Björn Engholm, dass dieser echte Führungsfiguren in der SPD vermisse, die SPD im “Spätherbst” sei und es dem Führungspersonal an “Aura” fehle. Diese Meldung auf LN-Online kann man online nachlesen. Viel interessanter ist aber was die LN wohlweislich nicht aus dem Interview zitieren:
“Medien in Schleswig-Holstein warf Engholm eine Kampagne gegen Stegner vor. Es tue ihm weh, wenn sein Nachfolger heruntergeschrieben werde und er fühle sich an schlechte Zeiten in dem Land erinnert. ‘Die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung und die Lübecker Nachrichten malen Ralf Stegner als Kotzbrocken, weil sie nicht mehr gewohnt sind, dass Leute sogar ihre Meinung sagen.‘” (Hervorhebung von mir; nachzulesen auf den Seiten der TAZ)
Die freie Meinung ist schon viel Wert – danke
Nur als Info: Die Fakten stimmen – es handelt sich allerdings um eine Meldung der dpa (lno, Landesdienst Nord), die in der Form automatisch in den Dienst von LN Online eingelaufen ist. Insofern ist es die dpa, die nicht mehr aus dem Interview zitiert. Auch die Meldung, die über dpa im Basisdienst verbreitet wurde, ist nicht länger. Aber klar, wir hätten uns daraufhin natürlich auch noch die TAZ vornehmen müssen, um zu gucken, ob da noch was gegen die LN drin steht, damit uns niemand Wahrnehmungsstörungen vorwerfen kann…
@ahe Der Einwand ist korrekt – das ist eine Meldung von dpa. Allerdings kann man als Leser nicht erkennen, ob es sich um die komplette dpa-Meldung handelt, oder ob sie durch die Lübecker Nachrichten redaktionell bearbeitet (sprich: gekürzt oder umformuliert) wurde. Da ich kein Kunde von dpa bin, kann ich auch nicht erkennen ob die Lübecker Nachrichten die dpa-Meldung zu 100% übernommen haben oder sie entsprechend angepasst wurde.
@Kai: Deshalb habe ich ja auch “Nur als Info” geschrieben. Ich habe auch gar nichts dagegen, dass man die LN oder LN Online kritisiert. Das gehört zum Tagesgeschäft, das müssen (und können) wir aushalten. Was mich stört, ist das Wort “wohlweislich” – es ist schlicht falsch.
Und noch zwei Anmerkungen zum Thema “Meinung sagen”: (1) hat B.E. eine Woche zuvor lang und breit seine Meinung in den LN sagen können (LN vom 23.7., Interview mit dem Titel: “Stegner ist unverzichtbar”), und (2) stammt der Ausdruck “Kotzbrocken” von Manfred Güllner und nicht von den LN. Das muss man dann auch mal aushalten können.
@ahe: Ok, über das “wohlweislich” kann man diskutieren; ich habe es deswegen mal durchgestrichen. Allerdings liegt der Verdacht in meinen Augen immer noch nahe, wenn man über ein Interview berichtet (und sei es als automatisch übernommene dpa-Meldung), in dem die LN nicht gut wegkommt und ausgerechnet dieser Teil dann nicht zitiert wird.
Der Begriff “Kotzbrocken” stammt in der Tat von Güllner. Allerdings hat Björn Engholm in dem TAZ Artikel auch davon gesprochen, dass die Medien ihn als Kotzbrocken “malen”, sprich: dass sie in dem Sinne über ihn schreiben. Aber auch hier kann man sicher geteilter Meinung sein.
Zum Thema Interview würde mich mal die Interviewpolitik der Lübecker Nachrichten interessieren: Werden Interviews genau so abgedruckt wie sie geführt wurden oder kann im nachhinein von beiden Seiten noch gekürzt und umformuliert werden? Damit will ich ausdrücklich nicht behaupten, dass das Interview in irgendeiner Form angepasst wurde. Mir geht es um das Thema “Autorisierung von Interviews”, wie es hier beispielsweise beschrieben ist: http://www.axel-springer-akademie.de/blog/2007/09/18/gastblog-sie-will-nicht/
Zum Thema Interview: Wenn wir ein WORTLAUT-Interview führen (wie zum Beispiel das mit Engholm in der vergangenen Woche), dann wird es vom Interviewer niedergeschrieben, dabei eventuell schon gekürzt, und dem Befragten zur Autorisierung gegeben. Wir halten das nur für fair, weil die Zwischentöne des gesprochenen Wortes im Schriftlichen eben nicht rauskommen. Wenn jemand aber das gesamte Interview verändert, womöglich sogar den Inhalt dreht oder die besten Passagen streicht, dann drucken wir es nicht. Und das ist schon mehr als einmal vorgekommen.
Anders bei RECHERCHE-Interviews: Wenn es um Inhalte geht und der Befragte vielleicht nur mit einem oder zwei Zitaten in einem Bericht vorkommt, wird das in der Regel nicht zur Autorisierung gegeben.