Freies Geballer für freie Wähler?

©fahrradfritze (creative commons:by-nc-sa)

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Als ich die Pressemitteilung der freien Wähler auf HL-Live zum Thema Waffenrecht las, war ich leicht angewidert. Selbst nach dem grauenvollen Amoklauf von Winnenden, wo der Vater des Täters dem Vernehmen nach 15 Waffen zu Hause gelagert hat, von denen der Amokläufer eine entwedet haben soll, ist das für die Freien Wähler in Lübeck kein Grund für ein verschärftes Waffenrecht:

“Ein gefordertes zentrales Waffenregister sei eine neu zu schaffende Behörde, die Unsummen an Steuern verschlingen werde. ‘Diese Kosten werden dann vermutlich auf die Jägerschaft und die Sportschützen abgewälzt’, meint der Kreisvorsitzende der Freien Wähler. ‘(…) Die Sportschützen stehen nicht minder schlecht da, hier wird ehrenamtlich gute Jugendarbeit geleistet, hier findet ein Vereinsleben statt, das Jung und Alt zusammenführt. Nicht zu vergessen der sportliche Aspekt wie die Teilnahme an Meisterschaften und – uns allen noch gut im Gedächtnis – die erfolgreiche Teilnahme an den Olympischen Spielen.’ (…) ‘Der Handel mit illegalen Waffen, die illegale Einfuhr solcher aus einigen Nachbarländern, die Gewaltverherrlichung durch entsprechende PC- oder Konsolenspiele und Filme sollte das Thema sein. Hier gilt es endlich zu differenzieren und zu handeln, nicht populistisch auf eine Minderheit einzuprügeln.’” (HL-Live; Hervorhebung von mir)

Klar: Dass jemand 15(!) Waffen zuhause lagert, von denen eine für einen Amoklauf verwendet wird, ist für Horstmann kein Problem. Schließlich leisten die Schützenvereine ja eine gute Jugendarbeit. Falls sich übrigens jemand fragt, wer dieser Werner Horstmann ist, der im Namen der Freien Wähler gegen ein verschärftes Waffenrecht spricht; Horstmann ist Mitglied bei den Bürgern für Lübeck und – Überraschung! – im: “LSV Lübecker Schützenverein von 1839″. Nachzulesen auf der Webseite der Bürger für Lübeck:

Mitgliedschaft in Vereinen / Verbänden: LSV Lübecker Schützenverein von 1839 e.V., Dorfgemeinschaft Groß Steinrade, Freiwillige Feuerwehr Groß Steinrade, Freie Burschenschaft “Acrimonia zu Hildesheim” (Quelle)

Wer im Schützenverein Mitglied ist, plädiert natürlich gegen die bösen, bösen Filme und Spiele und hinterfragt nicht warum eine Ausbildung zum zielgenauen Schützen im Verein und das Lagern von gefährlichen Waffen im Haushalt vielleicht ein Problem sein könnte.

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4 comments

  1. Hier offenbaren sich wieder die Extremfronten. Wenn einer seinen Flugschein macht und die Vereins Cesna oder den Learjet absichtlich oder unabsichtlich in einem Wohngebiet zum Absturz bringt, wird dann die Sportfliegerei verboten? Jedes Jahr kommen zahlreiche Unbeteiligte durch rasende Motorradfahrer am Wochenende zu Schaden. Also reine Hobbyfahrer, denen es nicht darum geht von Ort a nach Ort b zu gelangen. Wird dann ein generelles Fahrverbot am Wochenende verhängt? Die USA hat erkannt, dass das Problem nicht durch Änderung des Waffenrechts behoben werden kann und verstärkt psychologisch ausgebildetes Personal in Schulen eingesetzt, mit dem Ergebnis, dass weniger Taten begangen werden. Nur in Deutschland blickt man nicht durch und sucht verzweifelt die Lösung im Waffenrecht und in einem Verbot von Killerspielen.

  2. Nun, Cessnas und Learjets wurden mit der Intention geschaffen, Menschen von A nach B zu transportieren. Genauso sind Motorräder in erster Linie für den Transport von Menschen erdacht worden.

    Waffen hingegen sind vor allem aus einen Grund erfunden worden: Um andere Menschen zu verletzen oder sie zu töten. Das mag für Soldaten, Polizisten und Sicherheitspersonal notwendig sein – dass aber Otto Normalbürger zu Hause 15(!) Waffen lagern muss, mit denen man eben in erster Linie das zielgenaue Schießen lernt, will mir nicht in den Sinn. Vor allem, wenn es sich um solch gefährliche Waffen handelt.

    Meine Vorschläge: A) Munition darf nicht zuhause gelagert werden, B) Die Art und Anzahl erlaubter Waffen für Sportschützen wird drastisch reduziert, C) Waffen werden bei der Polizei gelagert und von einem Vereinsverantwortlichen abgeholt und wieder dort hin gebracht – oder, D) man verbietet den Privatbesitz von Waffen endlich.

    Und natürlich sind diese Maßnahmen dann von den Schützen zu bezahlen. Es ist überhaupt nicht vermittelbar, dass die Allgemeinheit für so einen Kram aufkommt.

  3. @ Kai
    bei Art und Anzahl ist ein Sportschütze eh schon ziemlich eingeschränkt außerdem reicht eine einzige. Und ein Verbot ist einfach nur lächerlich, das sportliche Schießen wird seit über hundert Jahren schon betrieben und hat lange Tratition sowohl National als auch International. Ein Verbot würde nur die Einfuhr von illegalen Waffen verstärken. Ich persönlich würde rein die Kontrollen verbessern: unangekündigte Kontrollen ob alles richtig Verwahrt ist kein Problem! Das ist meine Meinung. Außerdem hat Micha recht, hunderte, tausende Tote jährlich nur weil jemand auf der falschen Straßenseite fährt, weil er sein Leben ein setzen will und trotzdem brauchen Fahranfänger kein psychologisches Artest (was ich für sehr sinnvoll erachten würde).

    Mit freundlichen Grüßen

    Peter

  4. Da kann ich Micha nur zustimmen. Bei vielen Menschen ist das Bild unserer Sportart wohl noch immer von Vorurteilen geprägt. Dabei gibt es alleine in Deutschland rund 15.000 Schützenvereine mit 1.500.000 Mitgliedern die für fast 350.000 Kinder und Jugendliche eine von der Deutschen Sportjugend anerkannte Kinder- und Jugendarbeit leisten.

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