Rauchen und so

NichtraucherHach, was für ein Theater um das Rauchverbot. Beim Verfolgen einiger Debatten und Kommentare könnte man fast meinen, dass den Rauchern nun gezielt das Leben vermiest werden soll und der Untergang des Abendlandes kurz bevorsteht. Vielerorts kochen die Emotionen über und die Lübecker FDP kommt nun mit ganz abstrusen Vergleichen um die Ecke:

“Wenn das Rauchen z.B. in den Zellen von Justizvollzugsanstalten erlaubt bleibt, deshalb sinnvollerweise Raucher und Nichtraucher getrennt untergebracht werden, ist es doch niemandem einsichtig zu machen, den Wirten und ihren Gästen diese sinnvolle Wahlmöglichkeit vorzuenthalten.”

Ich rätsel jetzt seit fünf Minuten darüber was dieser abstruse Vergleich soll: Raucher in den Knast? Restaurants in der JVA eröffnen? Ich denke da lieber nicht weiter drüber nach…

Allerdings darf mal eine Frage gestattet sein: Wo ist das Problem? Jeder Raucher kann soviel Rauchen wie er möchte bis er umfällt. Nur eben nicht mehr in Gegenwart anderer, wenn diese dadurch gefährdet (Passivrauchen) oder belästigt werden. Dazu zählt übrigens auch das Personal in Restaurants oder Gaststätten, das diesen Rauch einatmen muss. Das ganze Theater um das Rauchverbot hätte auch vermieden werden können, wenn die Raucher in der Vergangenheit ein klein wenig Rücksicht genommen und nicht überall alles zugequalmt hätten. Warum sollte man zum Beispiel als Nichtraucher im Restaurant von Tisch zu Tisch gehen und die Gäste bitten, doch mal nicht zu rauchen während man selber isst? Zumal die Antworten, die man in solchen Fällen bekommen hat, recht deutlich waren – ein nicht unerheblicher Teil der Raucher war nicht bereit das Rauchen am Nebentisch vielleicht mal zu unterlassen während man noch isst. Mir ist auch in Lübeck kein einziges Nichtraucherestaurant bekannt, wo man hätte hingehen können, wenn man nicht zugeräuchert werden wollte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich finde die Regelung richtig, weil sie eben den Schutz von Nichtrauchern in den Vordergrund stellt.

[Disclaimer: Ich habe selber fast 10 Jahre geraucht und bin seit November 2000 rauchfrei - do the math ;)]

(Bildquelle: Pixelio, Fotograf: Viktor Schwabenland)

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3 comments

  1. Ich bin Raucherin und bin zufrieden mit diesem Gesetz, ich denke man sollte als Raucher Rücksicht auf Nichtraucher nehmen.

  2. Ich las heute in der Lübecker Stadtzeitung, dass die FTP eine Wirteinitiative unterstütze, wonach der Wirt selbst entscheiden solle, ob in seinem Laden geraucht werden dürfe oder nicht. Abstrus, denn diese Wahl hatte die Wirte seit Bestehen der Bundesrepublik. Was es brachte, wissen wir alle: “In Lokalen wird nun mal geraucht. Wenn Du nicht eingequalmt werden willst, bleibe halt zuhause.”

    Das Gesetz widerspiegelt lediglich, dass es anders nicht funktioniert. In Läden mit Raucherraum wird das Personal weiterhin dem kanzerogenen Qualm ausgesetzt. Es wird Zeit, dass dieser faule Kompromiss, der unnötig kleine Läden benachteiligt und nicht zuletzt das Personal gefährdet, kassiert wird.

    In den klassischen Rauchernationen wie dem Land von Gauloise (Frankreich) und auch Italien funktioniert das Rauchverbot ohne Probleme. In Irland schon seit 4 Jahren. Nur in Deutschland ist das angeblich ein Problem.

    Dass ich nicht lache.

    Martin

  3. Unrümlicher Nachtrag: Nicht nur, dass anlässlich der Bürgerschaftswahl in Hamburg im Februar 2008 der FDP-Kandidat Hinnerk Fock ähnliche Ansichten verbreitet.

    Michael Naumann, der Verlegenheitsspitzenkandidat der SPD tritt anscheinend ebenfalls für die Wahlmöglichkeit der Gastwirte ein. Natürlich muss der Gastwirt sich mit dem Personal einigen — ich könnte darüber lachen, wenn es nicht so absurd wäre. Die Realität wird doch sein: Ertrage den Qualm oder suche Dir einen anderen Job.

    Martin

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