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| (Bildquelle: Wikipedia) |
Laut einem Artikel der Lübecker Nachrichten von heute, hält Minister Austermann es für eine grandiose Idee, wenn man die Konzession der Betreibergesellschaft von 30 auf 40 Jahre verlängern würde (das soll übrigens auch in den Verträgen als Option vorgesehen sein, wenn der Tunnel sich nach 20 Jahren wirtschaftlich nicht rechnet). Für die Kücknitzer würde das natürlich weitere 10 Jahre bedeuten, in denen man “Eintritt” zahlen müsste. Allerdings ist das Austermann offenbar relativ egal, da er den Tunnel sowieso für ein tolles “Geschenk” hält:
“Die Lübecker sind diejenigen, die den Tunnel später geschenkt bekommen und diejenigen, die den Tunnel anstelle einer preiswerteren Brücke haben wollten.”
Ein tolles Geschenk. Wer beispielsweise in Schlutup arbeitet, wird für das Geschenk kräftig zur Kasse gebeten. Hätte es den Tunnel schon gegeben als ich noch in Eichholz gearbeitet habe, wären das mal eben knapp 400€ pro Jahr gewesen (bei 0,90€ Maut). Auf 30 Jahre gerechnet hätte ich für dieses tolle Geschenk dann etwa 12.000€ insgesamt bezahlt.
Interessant ist aber, dass der Betreiber des Tunnels einer Übernahme durch den Bund wohl nicht abgeneigt wäre. So heißt es in dem Artikel der LN weiter: “Die Herrentunnel GmbH zeigt sich aufgeschlossen. Sowohl sie als auch die Stadt ‘wollen ein Kind los werden, mit dem beide nicht glücklich sind’, so Tunnel-Chef Peter Bartsch”. Man kann wohl zu Recht feststellen, dass das Mautprojekt Herrentunnel alles andere als erfolgreich läuft.
Über die Erhöhung der Maut hinaus, droht übrigens noch weiteres Ungemach. So möchten die Betreiber des Herrentunnels die Busse des Stadtverkehrs zur Kasse bitten, was in etwa 25.000 bis 30.000€ pro Monat entspricht (laut LN vom 13.04.07). Da in den Veträgen allerdings die kostenfreie Durchfahrt geregelt sein soll, kommt es hierüber wohl zu einem handfesten Streit vor Gericht. Sollte der Stadtverkehr hier unterliegen, ist das Ergebnis wohl abzusehen: Die Mautkosten für die Busse müssen irgendwie eingenommen werden und am Ende könnte das wohl auf die Kunden abgewälzt werden. Übrigens: Der Bund hat seinzerzeit den Bau des Tunnels mit 87,8 Millionen Euro bezuschusst und somit nahezu die Hälfte der Baukosten getragen! (Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage) Dieser Zuschuss entsprach in etwa den Aufwendungen, die eine Ersatzbrücke gekostet hätten. Hiervon sollte dem Vernehmen nach auch der ÖPNV finanziert werden.
Des Weiteren möchte der Betreiber des Tunnels den kostenlosten Shuttle-Service lieber ganz einstellen und stattdessen eine Spur für Radfahrer und Fußgänger freigeben (LN vom 08.06.2007, Seite 12). Das halte ich nun für völligen Irrsinn. Als der Tunnel gebaut wurde, hatte ich die Gelegenheit zur Besichtigung und konnte so zu Fuß durch eine Röhre gehen. Die Steigung, die dort zu bewältigen ist, ist wirklich nicht ohne. Wer da nicht ganz fit ist, wird zu Fuß oder auf dem Rad ganz schnell das Nachsehen haben. Zumal es bergab mit dem Rad auch sehr schnell werden kann.
Fazit: Die Maut soll steigen, die Konzession könnte verlängert werden, der ÖPNV soll bezahlen und der Shuttle-Service soll eingestellt werden. Das ist ein ganz tolles Geschenk. Als das Tunnelprojekt vorgestellt wurde, hieß es noch, dass die Maut ganz sicher “unter 1 Mark” betragen werde, der ÖPNV immer kostenlos fahren wird und auch der Shuttle-Service die ganzen 30 Jahre einen kostenlosen Transport durch den Tunnel gewährleisten wird.
(In einer anderen Antwort der Bundesregierung heißt es übrigens: “Im Fall der Herrentunnel Lübeck GmbH & Co. KG haben die beiden Gesellschafter den niedriger als erwarteten Verkehrszahlen durch bilanzielle Wertberichtigungen ihrer Gesellschaftsanteile zunächst Rechnung getragen”. Oder, in der Formulierung der LN vom 08.06.2007: “Hochtief und BilfingerBerger, diese Weltkonzerne stehen hinter der Herrentunnel GmbH, haben schon vor einem Jahr ihre Millionen abgeschrieben.”)
Tags: Herrentunnel, Kommunalpolitik
